Warum feiert eine Kleinstadt im Allgäu jedes Jahr ein Renaissancefest? Die Antwort heißt Maximilian I. Der Kaiser kam um 1500 so oft nach Füssen wie in kaum eine andere Stadt seines Reiches. Das Fest Füssen in der Renaissance und der Mittelaltermarkt erinnern an diese Zeit.
Kaiser Maximilian I.: der „letzte Ritter“ in Füssen
Maximilian aus dem Haus Habsburg wurde 1486 römisch-deutscher König und nahm 1508 den Titel Kaiser des Heiligen Römischen Reiches an. Den Beinamen „der letzte Ritter“ verdankt er seiner Liebe zu Turnieren, Jagd und höfischen Festen, in einer Zeit, in der Söldnerheere und Feuerwaffen das alte Rittertum bereits ablösten.
Ein Reich mit fester Hauptstadt gab es damals nicht, der Kaiser regierte unterwegs. Zeitweise verlegte er seinen Regierungssitz nach Füssen. Nach der Überlieferung besuchte er die Stadt bis zu 40-mal.
Kaiser Maximilian I. und Füssen
Vom Kaiserbesuch zum Renaissance-Fest
Die Zahl der Besuche stammt aus der städtischen Überlieferung und ist nicht in jedem Fall urkundlich belegt.
Warum Maximilian Füssen wählte
Füssen lag günstig: an der alten Römerstraße Via Claudia Augusta, auf dem Weg zwischen der Reichsstadt Augsburg und Innsbruck in Tirol, wo Maximilian oft Hof hielt. Über der Altstadt thront das Hohe Schloss, damals Residenz der Augsburger Fürstbischöfe, und in den Bergen ringsum fand der Kaiser die Jagdgebiete, die er schätzte.
Kaiserbesuche, Gäste und Feste in Füssen
Wo der Kaiser war, war der Hof. Mit jedem Besuch kamen Adelige, geistliche und weltliche Fürsten, Ritter, Ratsherren und Zunftmeister nach Füssen, um Maximilian ihre Aufwartung zu machen. Für die Stadt bedeutete das Aufträge, Handel und wachsenden Wohlstand.
Maximilian lud zu großen Festen ein. Unter seinen Gästen in Füssen waren Bischof Friedrich II. von Augsburg und Herzog Wilhelm von Bayern, dazu weitere Würdenträger aus dem ganzen Reich.
Vom Kaiserbesuch zum Fest „Füssen in der Renaissance“
Heute zieht der Festumzug an beiden Tagen des Renaissance-Wochenendes durch die Altstadt. Die Teilnehmer treten als Ritter, Edelleute, Landsknechte, Landvolk, Gaukler und Magier auf. Der Umzug stellt nach, wie der kaiserliche Tross in Füssen einzog und das Kaiserpaar von der Bevölkerung begrüßt wurde.
Zeiten und Treffpunkte stehen im Programm. Parallel läuft im Von-Freyberg-Park der Mittelaltermarkt Füssen mit Händlern und Lagerleben.
Füssen in der Renaissance: die Stadt der Lauten
Die Renaissance hat in Füssen noch eine zweite Spur hinterlassen. 1562 gründeten die Füssener Lautenmacher eine eigene Zunft, die erste ihrer Art in Europa. Instrumentenbauer aus Füssen arbeiteten später in Venedig, Padua und Rom, und die Stadt gilt bis heute als eine Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus.
Zeitleiste: Maximilian I. und Füssen
- 1459: Maximilian wird in Wiener Neustadt geboren
- 1486: Wahl zum römisch-deutschen König
- Um 1500: wiederholte Aufenthalte in Füssen, nach der Überlieferung bis zu 40
- 1508: Maximilian nimmt den Kaisertitel an
- 1519: Tod Maximilians in Wels
- 1562: Gründung der Füssener Lautenmacherzunft
Häufige Fragen zur Geschichte
Wie oft war Kaiser Maximilian in Füssen?
Nach der Überlieferung bis zu 40-mal. Zeitweise regierte er sein Reich von Füssen aus.
Warum heißt Maximilian „der letzte Ritter“?
Er pflegte Turniere und ritterliche Ideale, während sich die Kriegsführung mit Landsknechten und Feuerwaffen grundlegend änderte. Viele sahen in ihm deshalb den letzten Herrscher der Ritterzeit.
Woran erinnert der Festumzug „Füssen in der Renaissance“?
An den Einzug des Kaisers mit seinem Gefolge in die Stadt und den Empfang durch die Füssener Bürger.